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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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Buch "Spur der schwarzen Wolke": Buch   Entstehung   Leseprobe   Jakowenko

"Spur der schwarzen Wolke" - Mit den Augen der Kinder

Die Katastrophe von Tschernobyl – mit den Augen der betroffenen Kinder
und Eindrücke einer deutsch-weißrussischen Reisegruppe

Der Schriftsteller Wasil Jakowenko erzählt über die Enstehung des Buches "Spur der schwarzen Wolke":

Die Kinder von Tschernobyl sind die Opfer und Zeugen der Katastrophe.

Sie sind auf wohltuendem Boden zur Welt gekommen, auf dem Boden, der damals noch in Fülle reine Mutterzärtlichkeit, Farben und Düfte besaß, der den Hunger der Seele stillte und Begeisterung hervorrief. Die Tschernobyl- Katastrophe durchkreuzte ihre Kinderbegeisterung, Hoffnungen und Träume, machte sie in wenigen Tagen und Monaten zu halbwüchsigen Erwachsene. Viele Kinder wurden von den Eltern getrennt. Im Evakuierungsdunst und hastiger Sorge wurden sie aus der kontaminierten Zone möglichst weit weg vom Desaster umgesiedelt und in Sommerferienheimen und Sanatorien untergebracht, umgekleidet, gewaschen, untersucht.... Sie hatten Heimweh und schrieben Briefe an die Eltern.

Als ich 1986-1987 die kontaminierten Regionen besuchte, sprach xk ich mit den Eltern und erlebte oft, wie manche Mutter mit Herzbeben den Brief ihres Sohnes oder ihrer Tochter immer wieder vorlas. Ich war tief davon beeindruckt, wie gefühlvoll, aufrichtig und rührend - nicht kindlich sondern - erwachsen und weise diese Briefe an die Eltern klangen. Aber nicht alle Kinder wurden aus den belasteten Regionen weggebracht. Viele wurden in der Schule unterrichtet, ohne an die frische Luft gehen zu können. Sie verbrachten ihre Pausen unter der Aufsicht der Lehrer, im Gebäude - eingesperrt wie Häftlinge. Zum allgemeinen Gesundheitszustand gehörten Schwäche, Müdigkeit, Nasenbluten und Schwindelanfälle. Insgesamt litten damals nicht weniger als eine Million der jungen Einwohner von Weißrußland unter der Radioaktivität. Ich dachte oft über diese Briefe der Kinder aus dem fremden Wohnort in die Heimat nach.
Aber es vergingen noch 8-9 Jahre, bis wir uns die Methoden und Mittel der Veröffentlichung der Tragödie unseres Volkes überlegten, während wir die Zeitung "Die Glocke" herausgaben. In Wirklichkeit dachten wir immer darüber nach. Mit der Zeit kam mir der Gedanke, mich mit dem Vorschlag an die Schüler zu wenden, einen Aufsatz zum Thema "Tschernobyl in meinem Leben" zu schreiben. Der Gedanke verwandelte sich in eine Idee, die Idee entwickelte sich zu einem Projekt, das vom Ausbildungsministerium des Landes unterstützt wurde und wir schrieben zusammen einen Wettbewerb aus.
Zur Zusammenstellung des Buches gehörte dann auch die Auswahl, Komposition und Sammlung dieser Aufsätze, die aus kleinen Artikeln, Selbstbekenntnissen, Briefen, Gedichten und sogar Poemen und Bildern der jungen Maler bestanden. Dabei erlebten unsere Lektoren und Redakteure eine seltsam peinigende Freude beim mehrmaligen Vorlesen des Ganzen. Sie mußten aufwühlende Gedankenströme und Gefühlswallungen über sich ergehen lassen, so daß ihr Herz durch weiche Regungen, rührende, gute und stolze Gedanken an die Autoren ganz beklommen war.
Das Buch fand Anerkennung. Es bringt uns eine reiche , oft in künstlerische Gestalt verpackte Information. Es entdeckt für uns ein Lebensbild, das pulsiert hat noch pulsiert und auch heutzutage leider aktuell bleibt. Zeugen die uns bekannten Untersuchungen der Fachleute nicht davon? In den kontaminierten Regionen übersteigt der Gehalt an Cäsium in der Muttermilch die Zulassungswerte um das Neunzigfache, der Gehalt an Strontium um das Achzigfache. Bei allen stillenden Müttern wurde erhöhter Bleigehalt im Blut und natürlich auch in der Muttermilch festgestellt. Es mangelt an Vitamin C und anderem. Lohnt es sich, darüber zu staunen, dass das Volk ausstirbt? Zur Zeit ist bei uns jedes gesunde Kind eine Rarität. Die Geburtenrate nimmt ständig ab. Für ein Kind zählen wir schon 47 alte Leute.
Unter anderem eröffnet das Buch "Die Spur der schwarzen Wolke" Sehr gut den Charakter, den Geist, die Seele und den Alltag der Menschen in Weißrußland, ihr Streben nach Glück. Die Kinder sind die Träger der Seele ihrer Vorahnen, sie sind gleichzeitig die Opfer und Zeugen der Tragödie, dadurch klingt ihre Stimme vertraut. Das Buch ist wie ein Geschichts- und Kulturdenkmal, ein Mahnmal für Drama und Tragödie, für hohes Sinnen und Trachten sowie Erhabenheit des Volkes, aus dem die jungen Schöpfer und Autoren des Bandes stammen. Möge das Unheil an ihnen vorübergehen!

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Letzte Aktualisierung am 2006-11-10, Irene Koch, Anja Stadelmann. Kontaktadressen