Home
Home
Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


de en fr ru

Pressemitteilung

In den offiziellen Berichten der internationalen Strahlenschutzbehörden werden die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl verharmlost. Es wird lediglich eingeräumt, dass 134 Menschen an akuter Strahlenkrankheit erkrankten, von denen in den ersten 3 Monaten nach der Explosion (am 26.04.1986) 29 starben, das waren Mitglieder der Betriebsmannschaft und Feuerwehrmänner des Atomkraftwerkes. Für die beobachtete Zunahme kindlicher Schilddrüsenkrebse in Belarus seit 1986 wird eingeräumt, dass die Strahlenbelastung durch die Tschernobylkatastrophe eine der Ursachen sein könne, der Beweis dafür aber noch nicht geführt worden sei. Eine ausführliche Analyse der in Weißrussland schon vor 1986 geführten Register über Erkrankungshäufigkeiten und Sterberaten ergibt demgegenüber ein völlig anderes Bild.

A.


Folgende direkte Schäden für die Gesundheit der weißrussischen Bevölkerung durch Tschernobyl lassen sich feststellen:

  1. Akute Strahlenkrankheit.
    Nach offiziellen Angaben gab es keine Erkrankungen unter der Allgemeinbevölkerung. Den Geheimprotokollen des Politbüros der KPdSU ist allerdings zu entnehmen, dass Tausende von Bürgern Weißrusslands wegen Symptomen der akuten Strahlenkrankheit in Krankenhäusern behandelt wurden.
  2. Schilddrüsenkrebse.
    Während diese Krankheit für Kinder normalerweise selten ist, erkrankten seit Tschernobyl bis zum 31.12.1999 bereits 628 Kinder, d.h. 614 mehr als erwartet wurde, daran. Diese Krebsart zeichnet sich durch aggressives Wachstum und frühe Metastasierung aus. Durch Anreicherung von radioaktivem Jod durch Aufnahme verstrahlter Milch wurden die kindlichen Schilddrüsen mit hohen Strahlungsdosen belastet, so dass die Reaktorkatastrophe zweifelsfrei die Ursache für die Zunahme an Schilddrüsenkrebsen ist. Das gilt auch für die Zunahme der Schilddrüsenkrebse der Halbwüchsigen (15- bis 18-Jährige) und Erwachsenen. Die Zahl der zusätzlich durch Tschernobyl an Schilddrüsenkrebs erkrankten Halbwüchsigen und Erwachsenen beträgt bis jetzt ca. 4.000 und wird sich auf insgesamt 10.000 bis 20.000 Menschen in den folgenden Jahren erhöhen.
  3. Leukämie.
    In Belarus erkranken jährlich etwa 100 Kinder und ca. 800 Erwachsene an Leukämien. Die durch Tschernobyl zusätzlich verursachte Zahl dieser Erkrankungen beträgt im Zeitraum 1987 - 1998 70 Kinder und 460 Erwachsene wie unsere Abschätzungen zeigen. Dazu kommen ca. 430 verwandte bösartige Bluterkrankungen. Die offiziellen Statistiken der Strahlenschutzorganisationen verleugnen diesen Tatbestand.
  4. Andere bösartige Erkrankungen.
    Die Analyse der Register bösartiger Erkrankungen lässt eine Zunahme dieser Erkrankungen infolge der Reaktorkatastrophe für Belarus auf insgesamt 25.000 Fällen abschätzen, die Gesamtzahl der daran schon Verstorbenen beträgt etwa 10.000 alleine für Belarus bis Ende 1999.
  5. Missbildungen.
    Aus dem staatlichen Missbildungsregister ist eine Zahl von mindestens 270 zusötzlichen Fällen mit groben morphologischen Missbildungen nach Tschernobyl zu entnehmen, wobei Mehrfingrigkeit , Verkürzung der Extremitäten (ähnlich den Conterganfolgen) und Mehrfachmissbildungen überwiegen.
  6. Zunahme an Allgemeinerkrankungen.
    Aus den Registern über Krankheitshäufigkeiten ist zu entnehmen, dass Bevölkerungsgruppen, die erhöhter Strahlung ausgesetzt waren wie Liquidatoren, Evakuierte und übersiedelte häufiger an Allgemeinerkrankungen leiden. Insbesondere Herz-Kreislauferkrankungen und Erkrankungen des endokrinen Systems haben zugenommen wie auch Erkrankungen des blutbildenden Systems, der Verdauungsorgane u.a. Eine Zunahme von Allgemeinerkrankungen als direkte Folge der Reaktorkatastrophe wird von offiziellen Strahlenschutzorganisationen kategorisch verneint.

B.

Die wirtschaftlichen Schäden der Katastrophe alleine für Weißrussland werden auf 300 Milliarden US $ geschätzt. Das Land Belarus ist völlig überfordert, aus eigener Kraft die Schäden der Katastrophe zu beheben. Das Gesundheitssystem ist durch die Behandlung der Folgen von Tschernobyl für andere Aufgaben blockiert, so dass dadurch indirekt der Standard der medizinischen Versorgung leidet.

Zusammenfassend erweist sich die Katastrophe von Tschernobyl als eine große Katastrophe, vergleichbar mit den größten Naturkatastrophen dieser Erde. Allerdings steht die Zahl der Opfer großer Katastrophen schneller fest als die einer Reaktorkatastrophe, deren Folgen erst nach Jahren absehbar sind.

Dr. Michail Malko, (E-mail: mvmalko@malkom.belpak.minsk.by)
Leitender Wissenschaftler des Instituts für physikalische und chemische Strahlungsprobleme der nationalen Akademie der Wissenschaften von Belarus, Minsk

Dr. Dr. Horst Wohlfarth,
Facharzt for Allgemeinmedizin - Umweltmedizin -, Winnigstedt

Wolfenbüttel/Minsk, den 5.12.2000

Tschernobyl-Katastrophe

Berichte und Bilder

Bücher, Ausstellungen Fahrten Spenden und Hilfe

Letzte Aktualisierung am 2006-11-12, Kai Boever. Kontaktadressen