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Tschernobyl-Initiative
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Kindererholung 2008: Bericht   Fotos   "Reisebaustein"   Zeitplan  

Bericht der Kindererholung 2008

Vom 2. – 29. Juni 2008 fand im Freizeit- und Bildungszentrum Asse (FBZ), und an den Wochenenden in Gastfamilien, die diesjährige Kindererholung für 30 Kinder statt. Es ist mit gleichem Grundkonzept die 11. Maßnahme mit Beteiligung der Propstei Schöppenstedt (Propsteijugend / Tschernobyl-Initiative) und die 9. Kindererholung im Freizeit- und Bildungszentrum Asse (früher Falkenheim). Hiervon wurde eine Maßnahme von der Propsteijugend Schöppenstedt und ab 1994 (also 8 Maßnahmen) von der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. organisiert.

Es kann also auf eine reichhaltige Erfahrung zurückgegriffen werden. Gleichwohl hat jede Maßnahme ihre eigene Dynamik und Besonderheit.

Parallel zur diesjährigen Maßnahme wurde eine Mutter mit Kind für die gesamten vier Wochen in eine Familie eingeladen, die sporadisch auch an den Maßnahmen im FBZ und anderen Aktionen teilnahmen.

Veranstalter der internationalen Maßnahme:

Die Maßnahme wird von deutscher Seite von der "Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V." und von belarussischer Seite vom Verein "Hoffnung für die Zukunft" in Minsk organisiert.

Die Hauptaufgabe der belarussischen Seite ist es, nach den entsprechenden Vorgaben der einladenden Institution (Zahl und Alter der Kinder, sowie soziale und strahlenbedingte Herkunft etc.) eine Gruppe von "Tschernobylkindern" zusammenzustellen. Die Zahl der betroffenen Kinder in Belarus ist so groß, dass trotz vieler ausländischer Partner und vielen Einladungen der landesweit arbeitende Verein in Minsk eine große Zahl von Kindern nicht für einen Erholungsaufenthalt im Ausland berücksichtigen kann. Hier eine Auswahl zu treffen, die der einladenden Stelle, den belarussischen Vereins- und Behördenvorgaben entsprechen und sich dann möglichst noch eine homogene Gruppe ergeben soll, ist keine leichte Aufgabe.

Die belarussischen Vorschriften und auch die Vorschriften der deutschen Botschaft in Minsk sind längst nicht mehr so großzügig wie in den Anfangsjahren.

Die Aufgabe der einladenden, deutschen Stelle ist dann in erster Linie, die finanzielle und organisatorische Voraussetzung für die vier Erholungswochen, sowie genügend Gastfamilien für die Wochenenden zu organisieren.

Selbstverständlich obliegt der einladenden Stelle auch die permanente Begleitung der Gruppe, wenngleich das belarussische Betreuerteam sehr gut und sehr selbstständig arbeitet.

Zweck und Ziel der Maßnahme:

Es muss immer wieder betont werden, dass auch 22 Jahre nach dem Tschernobyl-Unfall in Belarus Menschen in Regionen mit erhöhter Strahlenbelastung leben, aus denen sie eigentlich umgesiedelt oder aber mehrfach im Jahr herausgenommen werden müssten.

Die Kinder der diesjährigen Maßnahme kamen aus unterschiedlichen Landesteilen. Dennoch kommen die Kinder allesamt aus belasteten Gebieten und zwar wie folgt:

17 Kinder stammen aus dem Dorf Djatlowitschi, Kreis Luninets, Brester Gebiet. Der Kreis Luninets liegt im Südwesten von Belarus, unweit der ukrainischen Grenze. Das Dorf befindet sich in einer Zone radioaktiver Verstrahlung mit Strahlenwerten von 1-5 Ci/km2. In diesem Dorf befindet sich eine Lebensmittel-Messstelle.

10 Kinder stammen aus dem Kreis Iwje, Grodnoer Gebiet (Hrodna). Dieser Kreis befindet sich im Nordwesten von Belarus. Die Strahlungsdichte dort liegt ebenfalls bei 1-5 Ci/km2.

Zwei Kinder stammen aus dem Lidaer Kreis, Grodnoer Gebiet (Hrodna). Der Lidaer Kreis liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kreis Iwje.

Ein Kind stammt aus dem Kreis Mogilew (Mahiljou). Das Mogilewer Gebiet ist nach dem Gomeler Gebiet das am stärksten verstrahlte Gebiet in Belarus.

Saubere Luft und unbelastete Nahrung sind ausschlaggebend für die Stabilisierung der Gesundheit der "Tschernobylkinder". Darüber hinaus spielt auch der psychische Aspekt eine große Rolle. Ein entsprechendes Programm, Betreuung in der Woche von belarussischen Pädagogen und am Wochenende durch deutsche Gastfamilien, skizziert das Konzept dieser Maßnahme.

Die Erholung von der Strahlenbelastung in der Heimat Belarus soll also erreicht werden:

  1. durch Bewegung und Einatmen von "sauberer" Luft in "strahlenfreier" Umgebung.
  2. durch gute, ausreichende und ausgewogene Ernährung (mit "unbelasteten" Lebensmitteln).
  3. durch gute pädagogische und organisatorische Betreuung des deutsch-belarussischen Teams (einschließlich der Gastfamilien) und einer Vielzahl unterschiedlicher Aktionen.

Der psychologische Effekt der Maßnahme, der dadurch eintritt, dass die Kinder das Gefühl haben, sie sind nicht vergessen, wird von belarussischer Seite sehr hoch eingeschätzt.

Fast automatisch entwickelt sich der Aspekt "Völkerverständigung" in einem sehr ausgeprägten Maß, auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Situationen. Zunächst gilt das uneingeschränkte Interesse der Gastfamilien, Betreuer und Gastgeber von Einzelmaßnahmen den Gastkindern im Hier und Jetzt. Dann aber erweitert sich das Interesse an der Heimat der Kinder und an ihrem unmittelbaren Umfeld zu Hause. Häufig entsteht der Wunsch, die Heimat der Kinder mit eigenen Augen zu sehen. Entsprechende Begegnungsfahrten wurden in den vergangenen Jahren angeboten und auch in diesem Jahr besteht die Möglichkeit zu einer Gruppenreise nach Belarus.

Programm für die Kinder:

Von Anfang an geht unser Konzept von folgender Überlegung aus:

Die erste Woche soll vornehmlich für die Orientierung in der neuen Umgebung genutzt werden, zumal sich die Kinder in dieser Gruppe erst in Minsk bei der Abreise kennenlernen.

Zur Orientierung in den ersten Tagen gehört natürlich Haus und Hof und der angrenzende Wald des FBZ. Hier finden die Kinder ideale Bedingungen zum Spielen und zur Umstellung auf die neue Situation. Das Umfeld wird mehr und mehr mit einbezogen und so sind Besuche in der ersten Woche in Denkte und Schöppenstedt sinnvoll.

In die erste Woche fällt dann auch das Kennenlernen der Wochenend-Gastfamilien und das erste Gastwochenende.

In der ersten Woche vermeiden wir also größere Aktionen und Tagesausflüge. Wann immer das Wetter es erlaubt, ist ein Schwimmbadbesuch in Schöppenstedt angesagt. Dies gilt eigentlich für die gesamte Zeit, mit der Einschränkung, dass natürlich entsprechende Einladungs- und Programmtermine eingehalten werden müssen.

Größere Aktionen und Tagesausflüge, soweit nicht zwingend Terminprobleme dagegen sprechen, werden in die zweite Hälfte der Erholungsmaßnahme gelegt.

Durch unterschiedliche Einladungen und Aktionen konnten wir den Kindern wieder ein sehr abwechslungsreiches, interessantes und vielfältiges Programm bieten.

Programm für die Öffentlichkeit:

Die Sorge um die strahlenbelasteten Kinder der Tschernobyl-Katastrophe und das Engagement zur Linderung der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe ist nichts, was sich im Hinterstübchen und unbemerkt von der Öffentlichkeit abspielen sollte. Die Mahnung mit Energiegewinnung und Energieverbrauch verantwortungsbewusst umzugehen und damit auch von der Tschernobyl-Katastrophe zu lernen, kann nicht deutlich genug ausgedrückt werden. Dieses Thema wurde zwar nicht mit den "Tschernobylkindern" diskutiert, aber die Aufmerksamkeit die wir mit Aktionen im Zusammenhang mit der Kindererholung auf uns ziehen ist für "unsere Leute" sicherlich eindeutig einzuordnen. Aus diesem Grund ist uns die Öffentlichkeitsarbeit in unterschiedlicher Form sehr wichtig. Schon in den letzten Jahren haben wir die Öffentlichkeit mit einem "Tag der offenen Tür" und mit den "Abenden der Begegnung" in das FBZ eingeladen und zur inhaltlichen Auseinandersetzung animiert. In diesem Jahr war das Angebot für die Öffentlichkeit stärker als je zuvor.

Neben den üblichen "Abenden der Begegnung" an drei Sonntagabenden, gab es in diesem Jahr eine Ausstellung über Belarus während der gesamten Kindererholung im FBZ zu besichtigen, die mit einer Eröffnung am ersten Tag nach der Ankunft der Kinder stattfand. Eröffnet wurde die Ausstellung von Dr. Martin Kleemeyer, Direktor des Zweckverbandes Großraum Braunschweig. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Geldübergabe von Willi Jeschke vollzogen, der für eine ganze Gruppe von Menschen die sich in der Aktion "Löwinnen" engagieren, einen Betrag von 1.112,00 Eur übergab.

Zum zweiten Mal nach 2006 traf sich die Pfarrerschaft der Propstei Schöppenstedt zu ihrem monatlichen Pfarrkonvent im FBZ, anlässlich der Kindererholung. Die Pfarrerschaft wurde in beiden Fällen (206 und 2008) zunächst von der Kindergruppe mit einigen Liedern aus ihrer Heimat begrüßt.

2006 war dann das Schwerpunktthema des Konventes "Tschernobyl/Belarus". Paul Koch hielt einen Vortrag über die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe und zwei der belarussischen Betreuerinnen ergänzten den Bericht mit aktuellen Informationen.

In diesem Jahr lautete das Schwerpunktthema: "Lutherische Gemeinden in Belarus". Als Referent konnte Jens Lattke aus Magdeburg gewonnen werden, der ein Kenner dieser Szene ist und den Arbeitskreis Weißrussland der "Evangelischen Kirchen in Mitteldeutschland" leitet.

Die Kolpingfamilie Schöppenstedt lud an einem Freitagabend die Gastkinder, die Gastfamilien und die Öffentlichkeit ins FBZ ein, um dort ein paar gemeinsame Stunden bei Getränken und Gegrilltem und einer Nachtwanderung zu verbringen. Lange geplant wurde also das Abholen der Kinder am Freitag von 17.00 Uhr auf ca. 22.00 Uhr verschoben, mit dem Effekt, dass eigentlich alle Gastfamilien (und auch viele weitere Besucher) der Einladung folgten. Landtagsabgeordneter Marcus Bosse nutzte die Gelegenheit für ein Stippvisite im FBZ/ Kindererholung.

An dieser Stelle sei einzuflechten, dass wir weitere Politiker zu Gast hatten:

  • Dörthe Weddige-Degenhard (Landtagsabgeordnete) besucht uns am Abend der Begegnung "RussischerAbend",
  • Uwe Schäfer (Stellvertreter des Landrates) war aktiv am Abend der Begegnung "Internationaler Abend" beteiligt,
  • Jörg Röhmann (Landrat), Karl-Heinz Mühe (Bürgermeister von Schöppenstedt und Vorsitzender des Fördervereins FBZ) und Monika Roloff (Stellvertreterin des Bürgermeisters von Schöppenstedt) besuchten uns während der Informations-veranstaltung über "Belarus nach Tschernobyl" am 24.6. im FBZ.

Hier nun inhaltlich gleich weiter zum 24.6.: "Belarus nach Tschernobyl".

Es war eine gut besuchte, gut konzipierte und auch die wichtigste öffentliche Veranstaltung, die sich an Personen richtete (im Gegensatz zu den anderen öffentlichen Veranstaltungen), die es sich besser an einem Vormittag einrichten können ins FBZ zu kommen.

Den musikalischen Rahmen gestaltete Ala und Genadiy Vinogradskiy (Magdeburg, vormals Gomel/Belarus) mit Akkordeon und Domra. Nach der Begrüßung und Einführung durch Paul Koch (Vorsitzender der Tsch.I.) sprachen Dr. Christopher Kumitz-Brennecke (Kirche/ Propstei; Stellvertreter der Pröpstin), Jörg Röhmann (Landrat Landkreis Wolfenbüttel) und Karl-Heinz Mühe (FBZ) Grußworte. Herr Stamer von SO-Wi-Was überreichte 300,00 Eur und Frau Schmidt überreichte ein gebrauchtes, voll funktionierendes Akkordeon mit der Bitte, dass es möglichst viel (musikalische) Freude bereiten möge.

Danach hielt Alexej Seizev (Belarussische Botschaft) einen Vortrag über Belarus. Es schloss sich ein Vortrag über die laufende Maßnahme (Kindererholung) von Paul Koch an.

Es folgte ein "Asse-Tag" der aus der Arbeit mit Ruheständlern entwickelt wurde. Dieser Tag war aus unterschiedlichen Gründen sehr schwach besucht.

Der Versuch, den monatlichen "Männerabend" ins FBZ zu verlegen und natürlich das Thema Belarus in den Mittelpunkt zu stellen, fiel einem Deutschlandspiel im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft zum Opfer.

Vom Dienstag, den 24. bis Samstag, den 28. Juni begleiteten uns unsere beiden englischen Mitglieder bei den Aktionen im Rahmen der Kindererholung. Auf Deutschlandtour befindlich, kam es durch einen Abstecher auf dem Weg von Carnforth/Nordengland nach Berlin zu dem Abstecher im FBZ und zur ersten Begegnung in Deutschland seit der Vereinsmitgliedschaft 1999 (nach Kontaktaufnahme beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart). In diesem Zeitraum waren auf dem Programm: der Tagesausflug in Kassel und der Empfang der Samtgemeinde Schöppenstedt. Insgesamt haben sich Marlene und John Phillip sehr wohl bei uns gefühlt und haben sich im Nachhinein auch sehr beeindruckt über die Kindererholung geäußert.

Kosten – und Finanzierungsplan

Der Kosten- und Finanzierungsplan beschreibt eines Summe von 27.000,00 Eur an Ausgaben und Einnahmen. Die Kosten können selbstverständlich auch detaillierter aufgeführt werden, ebenso die Einnahmen. Fakt ist, dass die Summe der Ausgaben auf einem langjährigen Erfahrungswert beruht. Entsprechend wichtig ist es, die entsprechenden Einnahmen verbuchen zu können. Und so behandeln wir dieses Thema wie folgt: Nach der Erholungsmaßnahme ist vor der Erholungsmaßnahme, d.h. wir starten durch und sammeln bereits für die nächste Kindererholung im Jahre 2010.

Grob zusammengefasst der Kosten- und Finanzierungsplan der Kindererholung 2008 wie folgt:

Kosten:
Ca. 15.000,00 Eur Unterkunft und Verpflegung
Ca. 10.000,00 Eur Fahrtkostenb(Belarus BRD und Fahrten vor Ort etc.)
Ca. 2.000,00 Eur Sonstiges (Versicherung, Material, Spiele, Eintritt etc).
Ca. 27.000,00 Eur Gesamt

Finanzierung:
3.587,10 Eur Landkreis (Patenschaft und internationale Begegnung)
2.698,00 Eur Landeskirche
13.000,00 Eur Div. Zweckgebundene Spenden / Kollekten / Zuwendungen
7.714,90 Eur Div. Spenden/ Kollekten / Zuwendungen (Aus Tschernobyl- Allgemein)
27.000,00 Eur Gesamt

Dank sei an dieser Stelle allen großen und kleinen Geldgebern und sonstigen Unterstützern gesagt!

Standort FBZ und "Asse II"

Der belarussische Staat will gesichert wissen, dass die Kinder in Deutschland auch angemessen untergebracht sind. Der belarussische Staat vergewissert sich in dieser Sache, in dem er eine Unbedenklichkeitsbescheinigung über das Quartier der Kinder fordert. Diese Bestätigung erhielten wir vom Landkreis Wolfenbüttel mit folgendem Wortlaut:

"ich bescheinige, dass das Freizeit- und Bildungszentrum Asse, Am Festberg 1, 38321 Groß Denkte, eine Einrichtung ist, in der seit Jahrzehnten Kinder und Jugendliche aus vielen Orten der Bundesrepublik Deutschland Erholung finden.

Am Waldrand des Höhenzuges "Asse" gelegen, bietet dieses Haus mit seiner Umgebung ideale Gelegenheiten auszuspannen und sich zu erholen. Durch Modernisierung der Gebäude mit seinen Schlafräumen, Duschen, usw. ist ein angenehmer Aufenthalt gewährleistet. Das Haus entspricht allen Anforderungen einer modernen Kinder- und Jugendeinrichtung.

Der Landkreis Wolfenbüttel nimmt für seine eigenen Maßnahmen mit Kindern und Jugendlichen diese Einrichtung in Anspruch"

Möglicher Weise benötigen wir in Zukunft eine weitere Bescheinigung über die radiologische Unbedenklichkeit. Dies macht deutlich, dass mit dem Atomzeitalter auch neue Maßstäbe und Kriterien gesetzt werden. Hier hat uns in diesem Jahr die Diskussion um die Strahlenbelastung in unserer Region stark beschäftigt. Wir sahen uns nach der aktuellen, parallel zu dieser Kindererholung stattfindenden Berichtererstattung über Asse II von Anfragen konfrontiert, die uns Leichtfertigkeit vorwerfen, wenn wir strahlenbelastete Kinder in eine strahlengefährdete Region einladen. Die derzeitige Diskussion um Asse II ist natürlich sehr besorgniserregend und für unsere Arbeit aus mehreren Gründen ein heikles Thema.

Eine anvisierte und vorreservierte Buchung für die Kindererholung 2010 muss vom Vorstand der Tschernobyl-Initiative erst noch besprochen werden. Ein unbedingtes "Ja" zum Standort FBZ konnte bislang mit gutem Gewissen unterschrieben werden. Da sich derzeit keine Gefahr ergibt ist es auch jetzt noch von unserer Seite so zu unterschreiben. Allerdings können wir unsere Unterschrift erst dazu geben, wenn aus fachkundiger Sicht die Unbedenklichkeit bestätigt und um das FBZ herum keinerlei optisch aufdringliche Hinweise zur Asse II-Thematik zu finden sind (Hinweise in Form von "A" wie Aufpassen oder gar gelbe Fässer mit dem Radioaktivzeichen). Dies würde meiner Ansicht nach nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene von einem beschwerdefreien Erholungs- und/oder Bildungsaufenthalt abhalten.

So wichtig das "Aufpassen" im Zusammenhang mit Asse II und auch im Zusammenhang mit der Tschernobyl-Katastrophe (sprich Atom-Energie) ist, eine Erholungs- und Bildungseinrichtung muss sensibel auf dieses Thema hinweisen, darf aber in keinem Falle dieses Thema gewaltsam und unausweichlich präsent halten.

Mit Asse II wird die von einigen Menschen sicher gemeinte Endlagerung von Atommüll auf den Kopf und auch für andere Standorte in Frage gestellt.

Dass wir uns auch 22 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe um deren Strahlenopfer kümmern, zeigt wie langlebig die Folgen einer solchen Katastrophe sind – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Ich hoffe dass wir auch weiterhin aus der Bevölkerung, von Landkreis und Landeskirche und von unseren Vereinsmitgliedern die notwenige Unterstützung für diese Arbeit erhalten. Die unbestritten nach wie vor notwendige Erholung für strahlengeschädigte Kinder aus Belarus wollen wir weiterhin mit einer im zweijährigen Rhythmus stattfindenden vierwöchigen Maßnahme in unsere Heimat, in unsere Region, beantworten.

So lange für uns zweifelsfrei von dem Atommüll tief in der Erde/Salz der Asse keine Gefahr ausgeht, gehen auch für unsere Besucher keinerlei Gefahr aus. Solange dies so ist, werden wir sicher am Standort FBZ festhalten. Es macht keinen Sinn und es ist schwer zu organisieren, wenn wir die Erholungsmaßnahme in eine andere Region weit ab von Asse II durchführen wollen. Weit weg von Asse II müsste dann schon sehr weit weg sein, denn wir im Braunschweiger Land sind eingekreist von Asse II, Schacht Konrad, Morsleben und Gorleben.

Auch wenn derzeit keine Gefahr der Menschen durch die Bestrahlung des Atommülls in der Asse besteht, bleibt aber die Gefahr für die Zukunft, von der heute keiner weis wie bald diese eintritt. Ich hoffe deshalb sehr, dass die Themen der nicht gelösten Endlagerung und die Folgen von Strahlenunfällen nicht aus der neu aufgeflammten Pro- Atomenergie-Diskussion genommen werden. Nur wer diese Probleme ausklammert oder nach dem Motto argumentiert und handelt "Nach mir die Sintflut", kann nach meiner Ansicht ein Atombefürworter sein.

Die Verantwortung für die Schöpfung ist eine Verantwortung über den Tag hinaus. In diesem Sinne werden wir uns weiter um die Tschernobylkinder kümmern und hoffen, dass wir von weiteren Strahlenkatastrophen verschont bleiben. Diese Überlegungen und diese Hoffnung bringt mit sich, dass die Gefahr im Ansatz zu bekämpfen ist und wir nach Wegen suchen müssen, um in Zukunft auf Atomkraft verzichten zu können.

Paul Koch, Vorsitzender der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.

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Letzte Aktualisierung am 2008-09-12, Anja Stadelmann. Kontaktadressen