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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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Verleihung einer Urkunde

vom weißrussischen Departement für humanitäre Hilfe durch die weißrussische Botschaft in Berlin.

Urkundenverleihung, ca. 26kB

Am Sonntag, den 04. November 2001 wurde in Schöppenstedt der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. eine Urkunde durch den Botschaftsrat der weißrussischen Botschaft, Herrn Edward Birilo, überreicht. Seine Rede zur Urkundenübergabe und die Antwort des Vorsitzenden Paul Koch finden Sie im folgenden Text. Vor der Urkundenüberreichung fand in der St. Stephanuskirche ein Gottesdienst statt, wo es bereits um die Tschernobyl-Katastrophe und die humanitäre Hilfe ging. Die Kurzansprache des Vorsitzenden Paul Koch und der aktuelle Bericht 15 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe von dem 1. Botschaftssekretär Andrei Schuplak ist ebenfalls im Folgenden zu finden. Der Bericht vom Deutschlandbesuch im Juni 2001 von Lilija Michailowa, Wittebsk ist ganz zum Schluss aufgeführt, weil Paul Koch in seiner Kurzansprache darauf Bezug nimmt und weil es durchaus interessant zu Erfahren, was alles an Neuem auf Gäste aus Weißrussland bei einem Deutschlandbesuch einströmt und welche Assoziationen der Besuch auslöst.

Die Urkunde erhielten ca. 10 von 400 Tschernobyl-Initiativen in der Bundesrepublik Deutschland anlässlich des Gedenkens an die seit 15 Jahre andauernden Tschernobyl-Katastrophe.

Zur Urkunden-Verleihung waren folgende Personen anwesend:

Edward Birilo, Botschaftsrat
Andreij Schuplak, Botschaftssekretär
Karin Schulz, Stellvertreterin des Landrates
Ruth Naumann, Samtgemeindebürgermeisterin / Schöppenstedt
Monika Roloff, Stellvertreterin des Bürgermeisters /Schöppenstedt
Siegbert Pfeiffer, Samtgemeindebürgermeister / Asse
Manfred Rost, Ortsbürgermeister / Schliestedt
Petra Wesemann, PastorinderKirchengemeinde St. Stephanus / Schöppenstedt
Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.:Vereinsvorstand, Vereinsmitglieder und Freundeskreis

Rede zur Urkundenübergabe

Edward Birilo
Botschaftsrat der weißrussischen Botschaft in Berlin

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Es ist mir eine besondere Freude, heute an diesem schönen Sonntagvormittag zu Ihnen zu sprechen; und Ihnen aufrichtige Grüße von meinen Mitbürgern zu übermitteln. Darum haben mich die Mitarbeiter des Departements für humanitäre Hilfe beim Präsidenten der Republik Belarus gebeten sowie die des Komitees für; die Probleme der Folgen der Katastrophe im Tschernobyl-Atomkraftwerk beim Ministerrat der Republik Belarus. Herzliche Grüße überbringe ich auch von dem Botschafter der Republik Belarus in Deutschland Herrn Wladimir Skworzow sowie allen Mitarbeitern unserer diplomatischen Vertretung.

Ich bin sicher, dass sich daran auch gerne die Mitglieder der Belarussischen Blindengesellschaft - Ihres langjährigen treuen Partners in Belarus - sowie zahlreiche Einwohner unserer Republik anschließen würden, für die Ihre humanitäre Hilfe zu einer wesentlichen Erleichterung ihrer schwierigen Lebensverhältnisse auf den kontaminierten Gebieten von  Belarus beitragen.

Im Namen all dieser Menschen möchte ich mich bei allen Mitgliedern Ihres Vereins, den Vorstandsmitgliedern, Sponsoren und Freunden der Initiative für Ihre unermüdliche aufopferungsvolle Tätigkeit bedanken.

In der Tat, wenn man sich auf diese sieben Jahre ihrer Arbeit zurückblickt; so wird man staunen, wie viel geleistet worden ist: regelmäßige Transporte mit humanitären Gütern nach Belarus; zielgerichtete Unterstützung von Sozialeinrichtungen, Erholungs- und Rehabilitationszentren; Ausbildungsprogramme für Lehrer und Fortbildungsprogramme für Landwirte; Erholungsaufenthalte für Kinder; konkrete Vorhaben im Bereich der medizinischen Hilfe, wie die Aktion "Herzoperation für Katja" - um nur wenige Beispiele zu nennen.

Ich bin überzeugt, dass die Menschen in Belarus, denen sie; helfen, die Begriffe Deutschland und Deutsche nämlich mit Ihnen und Ihren guten Taten verbinden. Das würde ich als konkretes Ergebnis der Volksdemokratie bezeichnen. Indem Sie so viel Aufmerksamkeit unseren Kindern schenken, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Schaffung einer zuverlässigen Basis für die stabilen Beziehungen zwischen unseren Völkern und Ländern in der Zukunft.

Ich halte es für wichtig, hervorzuheben, dass Initiative nicht nur in der Bezeichnung Ihres Vereins steht, sondern  auch in alltäglichen Tätigkeiten vorhanden ist. Auf Ihre; Tätigkeit projiziert treffen für Sie voll und ganz die Worte  des Grossen  Goethe: "Wissen allein genügt nicht, es gilt zu handeln!" Und Ihre Handlungen sprechen für sich; selbst.

Sie werden mir bestimmt das Recht geben, wenn ich sage, dass die erfolgreiche Tätigkeit Ihres Vereins unter anderem der Unermüdlichkeit,& Zielstrebigkeit … ähnliche Eigenschaften könnte man endlos aufzählen… ihres Vorsitzenden Herrn Koch zu verdanken ist. Selbstverständlich, gilt das auch für Frau Irene Koch.

Und nun möchte ich den; Auftrag des; Departements für humanitäre Hilfe beim Präsidenten der Republik Belarus erfüllen und zu Händen des Herrn Koch die Ehrenurkunde dieser Behörde überreichen. Im Jahr des 15.Jahrestages der Katastrophe im Tschernobylatomkraftwerk sind damit nur einige von über 400 deutschen humanitären Organisationen der BRD ausgezeichnet worden.

Für die Zukunft möchte ich allen  Mitgliedern, Sponsoren und freiwilligen Helfern der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt Gesundheit, Wohlergehen und Erfolg in Ihrer noblen Tätigkeit wünschen.

Rede zur Urkundenübergabe

Paul Koch
Vorsitzender der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.

  Im Namen der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. bedanke ich mich ganz herzlich für die Urkunde vom weißrussischen Departement für humanitäre Hilfe in Minsk und ich bedanke mich bei dem Botschaftsrat Edward Birilo und dem 1. Botschaftssekretär Andreij Schuplak für die Überreichung dieser Urkunde. Der Dank an Edward Birilo und Andreij Schuplak bezieht sich nicht nur auf die heutige Überreichung der Urkunde sondern auch dafür, das sie dies in die Wege geleitet haben.

Mehrfach erhielten wir bereits Dankesurkunden. Sie waren immer persönlich an den Vorsitzenden oder der Geschäftsführerin gerichtet. Im April erhielten wir die bislang vorletzte ebenfalls aus den Händen von Herrn Birilo und Herrn Schuplak von einem weißrussischen Tschernobyl-Hilfs-Komite. Auch am 7. Juli dieses Jahres waren es persönliche Urkunden die Dr. Horst Wohlfarth, meine Frau und ich vom weißrussischen Departement für humanitäre Hilfe in Minsk erhalten. Diese erhielten wir durch die Vermittlung und Anforderung der Sozial-ökologischen Union  Tschernobyl/ Minsk. Der Schriftsteller Wasil Jakowenko überreichte uns diese während unserer Weißrusslandreise mit Landwirten.

Die jetzt überreichte Urkunde ist die erste, die an den Verein direkt gerichtet ist. Dies freut mich sehr, weil damit deutlich wird, es sind nicht nur Einzelne, sondern es ist eine Gemeinschaft. Es sind Vereinmitglieder, Freunde und Förderer. Alleine die Zahl der Mitglieder läßt sich exakt benennen. Es sind derzeitg 190. Die Zahl von Freunden, Förderer, Unterstützer, Geld- und Sachspender läßt sich nicht in Zahlen fassen. Gerade auch bei unserer Sonder-Sammelaktion für die Herzoperation von Katja haben wir viel Unterstützung von Mitgliedern und Nichtmitgliedern erhalten. 

Diese Urkunde würdigt die Arbeit des Vereins und alle die an der Tschernobyl-Hilfe mitwirken.

Ich sage deshalb danke allen die die Arbeit der Tschernobyl-Initiative mit Rat, Tat, mit Sach- und Geldspenden unterstützen! Danke auch nochmals für die Überreichung der Urkunde.

15 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe

Andrei Schuplak,
1 Botschaftssekretär der weißrussischen Botschaft in Berlin

  Sehr geehrte Damen und Herren,

im Laufe seiner jahrhundertealten Geschichte ist dem belarussischen Volk viel Not zugefallen. Niemand konnte aber vermuten, daß am Ende des 20. Jahrhunderts über unser Land eine ungeheuere Tragödie, deren katastrophalen Folgen wahrlich den planetaren Charakter haben werden, hereinstürzen wird. Am 26. April 1986 ereignete sich der GAU in Tschernobyl, welcher eine der schlimmsten technogenen Katastrophen in der bisherigen Geschichte der menschlichen Zivilisation ist. Die Katastrophenfolgen waren besonders schrecklich für Belarus. Durch die Explosion des Reaktors im ukrainischen Tschernobyl wurde hauptsächlich das benachbarte belarussische Gebiet verstrahlt. Fast ein Viertel des Territoriums des Landes mit etwa 2 Millionen Menschen wurde mit Radionukliden verseucht.

Die Strahlenbelastung des Ökosystems in Belarus ist so stark, daß im Laufe von vielen bevorstehenden Jahrzehnten die landwirtschaftliche und waldwirtschaftliche Benutzung der verseuchten Territorien unmöglich ist. In den von der Katastrophe am stärksten betroffenen Gebieten wird ein dramatischer Einstieg von Schilddrüsenkrebs und anderen schweren Krankheiten  bei Kindern beobachtet. Infolge der Katastrophe wurden 131 000 Menschen ausgesiedelt, für die in kürzester Zeit Wohnungen und soziale Einrichtungen gebaut und Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Nach den bescheidensten Bewertungen beträgt der durch die Tschernobyl-Katastrophe zugefügte wirtschaftliche Schaden 32 Jahreshaushalte des Landes. Jährlich werden 20-25% des Staatshaushaltes für diese Ziele verwendet.

Fünfzehn Jahre nach der bislang größten zivilen Atomkatastrophe gerät der Reaktorunfall von Tschernobyl in der Welt langsam in Vergessenheit. Manchmal bleibt es unbemerkt, daß die Folgen des Atomunfalls auch heute den Alltag der Menschen in Belarus bestimmen. Für das Volk in Belarus hat dieses Unglück einen ausgeprägten Anfang, aber leider kein absehbares Ende. Wir werden noch lange, mehrere Generationen, entscheidende "Tschernobylkorrekturen" in allen sozialen und wirtschaftlichen Programmen vornehmen müssen.

Urkundenverleihung

Das Ausmaß der Tschernobyl-Katastrophe ist so groß, daß Belarus nicht in der Lage ist, den Schaden allein zu bewältigen. In dieser Hinsicht sind wir für die Leistung der benötigen finanziellen und medizinischen Unterstützung aus dem Ausland dankbar.  Deutschland ist eines der Länder, das am meisten Verständnis für Situation in Belarus nach Tschernobyl hat. Fast gleich nach der Katastrophe fangen einige deutsche Friedens- und Umweltinitiativen an, verschiedene Kontakte in Belarus aufzunehmen. Das Leid der Tschernobyl-Opfer bewog viele Menschen in Deutschland, auf privater Ebene und ohne staatliche Unterstützung den Menschen in Belarus Hilfe zu leisten. Neben der Versorgung mit notwendigen Hilfsgütern entstand in Deutschland ein Netz von Angeboten für belarussische Kinder in deutschen Familien ihre Ferien zu verbringen und sich zu erholen. Heute gibt es in Deutschland mehr als 400 humanitäre Organisationen und Initiativen, die sich bemühen, den Opfern der Katastrophe bestmögliche Hilfe zu leisten. Oft wird diese Tätigkeit von der Kirche unterstützt. Der Anteil der wohltätigen Organisationen  der Bundesrepublik Deutschland an allen humanitären Gütern,  die  unsere Republik aus dem Ausland bekommt, beträgt 36 Prozent. Zirka 12.000  belarussische Kinder, die  aus den  durch Radionuklide verseuchten Gebieten kommen, haben eine Erholungskur in Deutschland absolviert. Diese Hilfe ist für uns besonders wertvoll, weil sie vom Herzen kommt.

Das im Mai voriges Jahres in Minsk stattgefundene Treffen des Präsidenten von Belarus mit der Vertretern der aktivsten humanitären Initiativen Deutschlands  spricht dafür, daß ehrenamtliche Arbeit deutscher privaten Hilfsinitiativen und Organisationen auf der höchsten staatlichen Ebene von Belarus anerkannt und begrüßt wird.

Wir danken allen Deutschen, die im Rahmen des privaten Engagements Hilfe den Menschen in Belarus geleistet haben und auch heute leisten. Im Namen der Botschaft der Republik Belarus wünsche ich allen in diesem Bereich tätigen Bürgern der Bundesrepublik Deutschland Gesundheit und Erfolge in ihrer edlen Tätigkeit.

Kurzansprache / Gottesdienst 4.11.2001

Textvorlage: Der barmherzige Samariter

Paul Koch,
Vorsitzender der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.

  Warum tust du das eigentlich?

Was bringt Dir das?

Was hast Du persönlich davon, wenn Du Dich für andere engagierst?

So oder ähnlich fragen Außenstehende die Handwerker,

die zu einem freiwilligen Arbeitseinsatz nach Weißrussland fahren oder die Familien, die Ihre Wohnung, ihre Zeit und ihren Kühlschrank für Chormitgliedern oder Erholungskindern zur Verfügung stellen, oder die Frauen und Männer die Sachspenden sortieren, verpacken, verstauen und später den LKW beladen und außerdem noch durch ihren Mitgliedsbeitrag und Geldspenden die Hilfsaktion unterstützen. Damit sind die Betätigungsfelder des Vereins "Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt" noch lange nicht vollständig aufgezählt.

Die  selben Fragen kommen manchmal auch von den Betroffenen selbst, von unseren Gästen und  den Dolmetschern des Chores oder der Kindergruppen. Verlegenheit ist wohl die häufigste Reaktion von den Gefragten, denn genau begründen warum sie es tun, fällt den meisten schwer. Die Antwort fällt schwer,

weil es bestimmt nicht nur einen Grund gibt. Bei jedem liegt der Schwerpunkt der Motivation wo anders. Insgesamt hat es sicher etwas mit verantwortungsvollem Handeln

und es hat etwas mit dem Sinn des Lebens zu tun. Wir Christen können diesbezüglich aus dem vollen schöpfen,weil der unverkennbare Auftrag "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" seit dem Leben und Wirken Jesu gilt. Allerdings haben wir Christen kein Monopol auf die Nächstenliebe, denn es gibt auch Atheisten deren Engagement nicht minder aufopferungsvoll ist. Auch Nichtchristen können abgeben und teilen auch ohne den barmherzigen Samariter oder Christus als Vorbild. Was Christen und Nichtchristen an dieser Stelle verbindet ist die Feststellung, dass vor allem in Weißrussland (aber auch in der Ukraine und Russland) Menschen und vor allem Kinder von einer Katastrophe betroffen sind, an deren Ausbruch sie vollkommen unschuldig sind. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe kann auch heute, 15 ½  Jahre nach dem Beginn dieser Katastrophe nur wage geschätzt werden. Sicher ist,

mit der Bewältigung der Katastrophenfolgen sind die betroffenen Länder alleine überfordert. Die vielen großen und kleinen Tschernobyl-Initiativen machen der Welt deutlich, das es den humanitären Gedanken und die Nächstenliebe auch in unserer heutigen Zeit noch gibt. Globalisierung muss auch einen sozialen, humanitären und christlichen Aspekt haben. Globalisierung weltweites kommunizieren und handeln, darf aus der einen Welt nicht eine rein wirtschaftliche Welt machen. Hier besteht die Gefahr, das Egoismus vorherrscht und Terrorismus bei den Verlierern auslöst. Die soziale, menschliche Komponente darf bei der Globalisierung nicht zweitrangig sein.

ein Talibanführer sagte am Anfang des amerikanischen Gegenschlages: "So wie Eure jungen Leute das Leben lieben,
so lieben unsere jungen Leute den Tod.
Den Tod im heiligen Krieg.“  "   Darauf kann ich nur mit den Worten  eines Redners bei einer der vielen Trauerfeiern zum 11.09. antworten:

  "Es gibt keinen Gott, mit dem man eine solche  menschenunwürdige Tat rechtfertigen kann."

Lasst uns deshalb Koalitionen und Kooperationen aller Art suchen und eingehen um dem Leben und der Nächstenliebe zu Ihrem Recht zu verhelfen. Diejenigen, die sich darauf einlassen, haben auch etwas davon: Nämlich das gute Gefühl, das Richtige und etwas Wichtiges und Sinnvolles getan zu haben. Und wir erhalten immer wieder die Bestätigung, das wir an einer „großen“ Sache arbeiten, das wir einen wichtigen Beitrag in Völkerversöhnung und Völkerverständigung leisten. Ab und zu gibt es ein kleines Blitzlicht Wo diese Tatsache durchscheint und Augenscheinlich wird. So wie der letzte Brief, den wir aus Weißrussland erhalten haben.

 

Bericht / Eindrücke des Deutschlandbesuches im Juni 2001

Lilija Michailowa; Vitebsk
Vertreterin des Rates der evangelisch- lutherischen Gemeinde in Vitebsk    Mein Aufenthalt in Deutschland begann mit einer Einladung der bemerkenswerten Menschen Irene und Paul Koch, die die organisatorischen Arbeiten der humanitären Hilfe für das weißrussische Volk leiten, das unter der Tschernobylkatastrophe leidet.

    Der Aufenthalt fing mit einem Besuch in Wolfenbüttel und Braunschweig an.Der Besuch im lutherischen Dom, in der katholischen St. Ägidienkirche und im Museum in Braunschweig haben unauslöschliche Eindrücke über die geistlichen, kulturellen und historischen Werte Deutschlands hinterlassen.

  Mir hat das geistliche Posaunenkonzert im Dom sehr gefallen. So etwas habe ich zum ersten Mal gehört. Nie werde ich das Kinderfest und die Hochzeit in der Volkmaroder Kirche vergessen, in der die junge Pastorin Frau Koch den Gottesdienst leitete.

Einen besonderen Eindruck hat die Arbeit der Tschernobyl-Initiative hinterlassen. Es ist beeindruckend, das in solch einer für Weissrussland schweren Zeit, Christen in Deutschland die Kinder und die Erwachsenen nicht vergessen, die in der Tschernobylzone leben. Denn diesen Schaden, den die Tschernobylkatastrophe gebracht hat, kann Weißrussland alleine nicht beheben.

Wie erfreulich ist es, dass der Kranich, der das Symbol der Tschernobyl-Initiative ist, unseren Kindern Freude, Hilfe und Fürsorge bringt, die ihnen fehlt. Unschätzbar ist die Fürsorge und die Aufmerksamkeit für unsere kranken Kinder, wenn ihnen Hoffnung auf eine bessere Zukunft gegeben wird.

Ich war Zeuge, als in einer Dorfgemeinde nicht weit von Wolfenbüttel der Erlös der Kollekte für die Opfer von Tschernobyl gespendet wurde! Und ich bin sicher, dass dank dieser christlichen Liebe, der wohltätigen Unterstützung und dem gegenseitigen Verständnis hellere Tage anbrechen werden für alle Menschen, die unter dem giftigen Unfall leiden.

Ich möchte mich tief verbeugen vor Irene und Paul Koch, die sich mit diesen Problemen beschäftigen, die viel Zeit und Aufmerksamkeit diesen Problemen widmen, die sich fremden Schmerz annehmen, der ihr eigener Schmerz geworden ist, die großen Anteil nehmen am Leben und der Entwicklung der nächsten Generation, die die christliche Liebe leitet zu Menschen gleich welcher Nationalität.

Vielen Dank Euch, liebe Brüder und Schwestern, dass Ihr uns nicht in der Einsamkeit mit unserem Trauer in Weißrussland lasst.

Für mich war es sehr unerwartet, dass es in Deutschland eine Organisation gibt, die sich mit den Problemen des geistlichen Zustandes der männlichen Bevölkerung beschäftigt. Es ist sehr gut, dass es solch eine Organisation wie die "Männerarbeit" gibt. Mir schien es, dass es in Deutschland solche Probleme nicht gäbe. Das Lebensniveau ist hoch, der ökonomische Zustand stabil.

Der Morgen im Kirchencampus in Wolfenbüttel, wo auch die Männerarbeit beheimatet ist, beginnt für die Mitarbeiter des Landeskirchenamtes mit einer Andacht, wo sie ein große geistliche Nahrung empfangen. Auch die ursprüngliche Erziehung in der Familie fängt der Liebe zu den Menschen und dem Mitgefühl zu den Kranken an. Das habe ich gesehen, als Paul Kochs Tochter Sarah sich um Kranke (Behinderte) kümmerte, die nicht mehr im Stande waren, sich selber zu versorgen. Dabei zählten für sie weder die Zeit noch die eigenen Interessen.

Und trotzdem scheint es, dass es Probleme gibt, Probleme mit dem geistlichen Zustand und der Wiederauferstehung. Sehr beeindruckt hat mich, dass der Staat viel Aufmerksamkeit diesen Problemen teilt, dank dessen gibt es solche Büros. Beim Kennenlernen der Arbeiten im Büro der "Männerarbeit" verblüfften die vielfältigen Programme, die große Menge an Literatur, der ungewöhnlich große Wunsch der Mitarbeiter des Büros ihren Mitmenschen zu helfen. Und das alles ohne Zweifel, trägt große Früchte zur Gesundung der geistlichen Gesellschaft ein. Alles im Dank des Menschen!

Für mich wurde die Teilnahme am Kirchentag in Frankfurt am Main ein historisches Ereignis in meinem Leben, das ich nie vergessen werde. Dieses geistliche Ereignis ist nicht nur im Leben in Deutschland, sondern auch vieler anderer Länder, denn es kamen zum Kirchentag Teilnehmer verschiedener Nationalität aus unterschiedlichen Ländern der Erde.

Erstaunlich ist, dass die Gottesdienste in allen Kirchen in verschiedenen Sprachen von Bischöfen und Pastoren verschiedener Nationalitäten gehalten wurden. Die Gottesdienste wurden begleitet von lutherischen Hymnen, die in unterschiedlichen Sprachen gesungen wurden. Aber alles war geprägt von ungewöhnlichem gegenseitigem Verständnis. Es war nicht einmal nötig, die Sprache zu kennen, um zu verstehen, was vor sich geht.

Auf dem Kirchentag wurden viele Projekte unterschiedlicher Richtungen vorgestellt:

Projekte für Kinder und Jugendliche, für ältere Menschen, für Frauen und Männer, für diejenigen, die sich mit Volkskunst beschäftigen, für Invaliden und invalide Kinder, für Menschen, die ihren Lebensweg suchen, für diejenigen, die sich für Literatur und Kunst interessieren.

Und in viele Pavillons waren Vertreter verschiedener evangelisch- lutherischen Gemeinden und Kirchen aus unterschiedlichen Städten und Ländern. In jedem gab es etwas zu erzählen, alle stellten Probleme und Problemlösungen aus geistlicher Sicht dar. Es gab sehr viele Projekte zur Hilfe anderer Länder. Ich war sehr erstaunt, dass sich hinter dem Projekt "Verständigung und Aussöhnung" medizinische Hilfe an Menschen, die unter den Nazis im Zweiten Weltkrieg litten und die im Konzentrationslager waren, verbarg. Ich erfuhr, dass in Weißrussland, auch in meiner Stadt Witebsk, es eine Apotheke gibt, in der diese Menschen kostenlos Medikamente erhalten. Es leitet dieses Projekt Herr Fred Dorn (Kassel). Nach meiner Ankunft in Witebsk besuchte ich diese Apotheke und lernte die Arbeit dort kennen. Mag Gott diese wundervollen Menschen bewahren, die den Menschen Glauben, Hoffnung und Liebe schenken.

Der Kirchentag war sehr interessant, wundervoll und geistlich zugleich. Es nahmen dort über 5000 Menschen teil. Wo kann man so etwas noch erleben? 5000 Menschen denken gleichzeitig an ein und dasselbe zur gleichen Zeit. Ich habe so etwas zum ersten Mal erlebt. Und solch ein gegenseitiges Verständnis der Menschen untereinander, wie sich alle willkommen geheißen haben gleich in welcher Sprache. Der vollständige geistliche Kontakt hat die sprachlichen Barrieren überwunden. Vor Glück möchte man weinen.

Der Auftritt des Kanzlers Gerhard Schröder auf dem Kirchentag hat einen großen Eindruck hinterlassen. Die dankbaren Teilnehmer des Kirchentages hörten dem Kanzler aufmerksam zu und unterbrachen ihn oft zum Applaudieren, denn er sprach über unerlässliches für jeden Deutschen: über die Entwicklung der Wirtschaft, über die Finanzlage, über die Entwicklung im Osten Deutschlands, über die weiteren Pläne der geistlichen und physischen Entwicklung der Kinder, über soziale Probleme, über die Zukunft Deutschlands, über die Rolle der Kirche und die Restauration der Kirche.

Möge Gott denen Glückseligkeit schicken, die Gott dienen, möge Gott die Arbeit der Menschen segnen, die helles und Gutes im Herzen tragen. Möge Gott diesen Menschen auf allen Wegen helfen.

Ich fuhr nach Hause mit dem Glauben an Gottes Segen, dass Gott das weißrussische Volk gesegnet hat, damit die Weißrussen ihr Gesicht Gott zu wenden und sich auf Gottes Weg begeben.

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Letzte Aktualisierung am 2006-11-13, Kai Boever. Kontaktadressen