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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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30. Juni - 09. Juli 2001

Landwirte reisen nach Weißrussland

Durch den Besuch eines privat wirtschaftenden Landwirtes (Alexander Swiridow) bei uns in der Braunschweiger Landeskirche im Jahre 1995 und durch vielfältige Kontakte nach Weißrußland lag nun eine Einladung für Landwirte nach Weißrußland vor.

11 Landwirte und 4 weitere Personen reisten unter Leitung von Paul Koch (Landesgeschäftsführer der Männerarbeit / Evangelisches Landforum und Vorsitzender der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.) vom 30. Juni bis 9. Juli 01 nach Weißrußland. Auf dem Programm stand der Besuch einer Kolchose, einer Sowchose, eines privaten landwirtschaftlicher Betriebes, sowie auch das Ministeriums für Landwirtschaft, das Traktorenwerk in Minsk, das Kinderzentrum in Nadeshda und die Gedenkstätte Chatyn.

Alexander Popkow, stellvertretender Leiter der Auslandsabteilung im weißrussischen Landwirtschaftsministerium, hielt uns einen langen Vortrag über die weißrussische Landwirtschaft. Von den EU Ländern ist Deutschland der wichtigste Partner für Weißrußland. In diesem Jahr sollen 500 Mähdrescher in Zusammenarbeit mit einer deutschen Firma in Weißrußland produziert werden. 150 weißrussische Landwirte sind jährlich zu einem Praktikum in Deutschland. Weitere Praktikumsplätze werden noch gesucht. Natürlich werden auch Investoren gesucht, eine Liste von Projekten wurde uns übergeben.

Während die Landwirtschaft zur Selbstversorgung des Kinderzentrums Nadeshda (Erholungszentrum für tschernobylgeschädigte Kinder) noch in den Kinderschuhen steckt, sahen wir in Postawy 200 km nördlich von Minsk und 30 km von der Litauischen Grenze entfernt eine vorbildliche Kolchose. 1200 Kühe sorgen für die Milch aus der Käse produziert wird. Ein überaus kreativer Kolchosvorsitzender sorgte noch zu Sowjetzeiten für westliche Maschinen und westliches Know-How mit sehr guten Ergebnissen. Im Sommer macht der Absatz des Käse allerdings noch Probleme - daran wird im Moment noch gearbeitet.

Der Besuch der Sowchose (staatlicher Betrieb) in Puchowitschi, 60 km südlich von Minsk in der Nähe von Sluzk begann mit einer weiteren Überraschung. Im Zentrum dieses Betriebes steht die landwirtschaftliche Berufsschule mit 800 Berufsschülern. 100 ha werden zusammen mit Berufsschülern und Landwirten bewirtschaftet. Ein großes Interesse zeigten die Lehrer am Erfahrungsaustausch mit den praktizierenden Landwirten aus Deutschland.

Ebenfalls in der Nähe von Sluzk befindet sich ein privater landwirtschaftlicher Betrieb. Hier wurde deutlich, daß außer einer kurzfristigen staatlichen Starthilfe, verbunden mit vielen Bedingungen, der einzelne Landwirt auf sich selbst gestellt ist. Eher bürokratische Hürden als Unterstützung erfährt dieser Landwirt. Zu bestaunen ist sein Optimismus und sein Elan mit denen er alle Widrigkeiten zusammen mit seiner Frau und den zwei Kindern angeht!

Landwirtschaft aus einer anderen Sicht erlebten wir bei der Selbsthilfeorganisation "Schritte weg von Tschernobyl". Landwirte mit kleinen Höfen lebten bis zur Tschernobyl-Katastrophe im Süden Weißrusslands. Am Anfang verfolgte die Sowjetunion eine Informationspolitik. die die Weißrussen glauben machen sollten, nur die Ukraine sei von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen. So wurden die Felder weiter bewirtschaftet. Nicht nur, daß kontaminierte Lebensmittel produziert wurden, gleichzeitig bedeutete dies, daß die Männer den ganzen Tag auf dem Feld arbeitend dieser hohen radioaktiven Strahlungen ausgesetzt waren. Mit den Jahren wurden die Männer krank und starben. Mit einer Verspätung von 3-4 Jahren wurde den Weißrussen mitgeteilt, daß ihr Land stärker (zu 70 %) vom Fallout des Unglückreaktors betroffen ist als die Ukraine. Erst dann begannen in Weißrußland die Umsiedlungsprojekte. Ein großer Teil dieser Umsiedler fanden sich wieder in der Hauptstadt Minsk. Hier hatten sie keine Möglichkeit von der Landwirtschaft zu leben. Die älteren Menschen fanden auch keine andere Arbeit und leben so von einer Rente in Höhe von 20,- DM und leben in einer für sie unnatürlichen Umgebung in kleinen Wohnungen eines Wohnsilos. Die Kinder, die in Minsk Arbeit gefunden haben, gründeten die Selbsthilfeorganisation. Wobei sie außer von der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V. kaum Unterstützung erhalten.

Die auf dieser Fahrt gesammelten Informationen wurden in der Buchreihe "Belarus nach Tschernobyl", Band 2 zusammengefaßt:
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Letzte Aktualisierung am 2006-11-11, Kai Boever. Kontaktadressen