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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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Vortrag über Podjelniki

Dieser Vortrag wurde von Vjatscheslav Pleskatsch, Mitarbeiter der weißrussischen Blindengesellschaft in Minsk, am 18.03.2003 auf einer Tagung für Seniorenkreisleiter(innen), Frauenhilfsleiterinnen und Männerkreisleiter in Goslar/Haus Hessenkopf gehalten

Foto von V. Pleskatsch

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Paul Koch,
liebe Freunde,

in erster Linie möchte ich mich bei Ihnen für die Einladung zu dieser Tagung bedanken. Ich vertrete hier die weißrussische Blindengesellschaft.

In unserer gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation, die 1924 gegründet wurde, sind mehr als 21.000 sehebehinderte Mitglieder und 1000 sehende Mitglieder. Das Ziel der Blindengesellschaft ist die Rehabilitation der Invaliden, sowohl soziale als auch die der Arbeitsfähigkeiten, Wiederfinden ihrer verschiedenen Möglichkeiten. Unsere Organisation hat ihre Stellen in allen Bezirken der Republik. In Großstädten der Republik Belarus funktionieren 16 Betriebe der Blindengesellschaft (unitary enterprices), bei denen mehr als 8 000 Menschen tätig sind. Die Blindengesellschaft hat auch eine Druckerei, 8 Kultureinrichtungen, das Erholungsheim "Podjelniki" (unter den Tannen). Die Hauptquelle der Finanzierung ist der Erlös unserer Betriebe, der im Zentralfonds kummuliert wird. Der Staat hat mit der finanziellen Unterstützung der Blindengesellschaft praktisch aufgehört.

Unsere Betriebe erzeugen Produkte wie Steckdosen, Schalter, Fassungen, Leitungen für Haushaltgeräte, Leuchten, Lampen, Sicherungen, ölfilter für alle Autotypen usw.. In den letzten 10 Jahren aber bekommen wir immer weniger Geld von unseren Betrieben.

Nach dem Zerfall der Sovjetunion ist uns nicht gelungen, neue Absatzgebiete zu finden. Heutzutage arbeiten unsere Betriebe alles andere als zügig und problemlos. Ständig werden die Steuern vom Staat erhöht. Unsere Betriebe verlieren ihre Präferenzen. Jetzt zahlen sie dem Staat 7 unterschiedliche Steuern, darunter auch eine außerordentliche Steuer, oder wie sie anders genannt wird eine Tschernobyl-Steuer. Sie ist für die Linderung (Minimierung) bzw. Beseitigung der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe bestimmt. In diesem Jahr ist eine neue Grundstücksteuer veranlagt worden. Im Vergleich zu der früheren Steuer ist sie um 8 mal erhöht worden.

(...)

Eine Regelrente, d.h. wegen Alter, beträgt heute etwa BYR 100 000 bzw. 47€. Unter diesen Umständen sind die Mitglieder der Blindengesellschaft nicht im Stande, den Aufenthalt in einem Sanatorium bzw. einem Erholungsheim zu bezahlen.Vor dem Zerfall der Sovjetunion baute die Blindengesellschaft zusammen mit der Gewerkschaftsföderation Sanatorien und Erholungsheime auf. Die Gesellschaft übernahm die Kosten für den Aufenthalt dort. Die anderen sozialistischen Republiken stellten damals ihre Sanatorien uns zur Verfügung.

Nach dem Zerfall der Sovjetunion hat sich die Situation verändert. Neue Staaten sind entstanden. Alte Kontakte waren aber gebrochen. Viele Sanatorien wurden geschlossen. Sanatorien und Erholungsheime der Gewerkschaftsföderation wurden vom Staat monopolisiert.

Nach der Tschernobyl-Katastrophe wurden die meisten Sanatorien und Erholungsheime der Republik in erster Linie den Menschen zur Verfügung gestellt, die von der Tschernobyl-Katastrophe stark betroffen waren.

Die Führung der Blindengesellschaft traff sich dann die Entscheidung über den Bau ihres eigenen Erholungsheimes mit der übernachtungsmöglichkeit für 100-120 Gäste. 1995 wurden die Bauarbeiten am Platze der Sommerhäuser für 30 Gäste begonnen. Das Geld bekamen wir von unseren Betrieben. Alle anderen Projekte - Produktionsentwicklung, Instandhaltungsausgaben für Gebäude usw. - waren damals gestoppt. Das ganze Geld wurde in das Erholungsheim investiert, das den Namen "Podjelniki" bekam. Podjelniki heißt unter den Tannen. Podjelniki befindet sich in einer sehr malerischen Gegend am Ufer des Flusses Usa (Nebenfluss von der Memel) im Walde, 80 km westlich von Minsk. Im April 2001 wurden die Bauarbeiten zu Ende gebracht. Die ersten Gäste kamen ins Podjelniki. Heute hat Podjelniki ein ganzjährig funktionierendes Hauptgebäude, das für 100 Gäste vorgesehen ist. Gut eingerichtete Einzelzimmer, Doppelzimmer, Zimmer für 3 Personen, sowie 2 Appartements stehen den Gästen immer zur Verfügung. Im Hauptgebäude gibt es eine Sanitätsstelle, einen Speiseraum, eine Bar, einen Fitnessaal, Tischtennis, Billard, einen Sportsaal, eine Konzerthalle. Podjelniki verfügt über eine Trinkwasserquelle und eine Mineralwasserquelle, die an Fluor sehr reich ist. Aufgrund der Laboruntersuchungen ist das Mineralwasser für die Bekämpfung der Zahnkrankheiten, chronischer Krankheiten der Harnröhre, chronischer Gastritis usw. empfohlen.

Der Aufenthalt in unserem Erholungsheim dauert 18 Tage. In erster Linie werden hier die Gäste untergebracht, die aus den verstrahlten Regionen Weißrusslands kommen. Es werden auch Mutter-und-Kind-Aufenthalte organisiert. Der Aufenthalt kostet BYR 295 000 (= 139€). Es gibt aber Skontos. So bezahlen die Invaliden der 1. Gruppe ( mit einer Begleitperson) und die Invaliden der 2. und 3. Gruppe 20 % von dem gesamten Preis, die sehenden Mitarbeiter - 30 %. Den Rest übernimmt die Blindengesellschaft. Es gibt auch Sonderpreise für den Aufenthalt der Waisen, der Kinder der Mitarbeiter der Blindengesellschaft, der Studenten. Um die Kosten für den Unterhalt des Erholungsheimes zu reduzieren, bieten wir auch kommerzielle Aufenthalte zum Preis von BYR 365 000 (172 €) an. Sie werden an die Nichtmitglieder der Blindengesellschaft verkauft, wenn freie Plätze vorhanden sind.

In Zukunft haben wir vor, das Erholungsheim Podjelniki erst in ein Erholungszentrum und dann in ein Sanatorium umzubauen. Dazu sollen eine physiotherapeutische Abteilung, eine Abteilung der Funktionsdiagnostik, der Ultraschalldiagnostik usw. entsprechend ausgestattet werden.

Seit über 10 Jahre arbeitet die Blindengesellschaft mit der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e. V. auf dem Gebiet der humanitären Hilfe zusammen. Uns verbindet nicht nur Arbeit, sondern auch langjährige Freundschaft. In diesem Zeitraum haben sich über 230 Kinder aus Weißrussland in Deutschland erholen können. Jährlich bekommen wir von der Tschernobyl-Initiative humanitäre Hilfe für sozialschwache und kinderreiche Familien.

(...)

Die Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt leistet uns sehr grosse Hilfe. An dieser Stelle möchte ich mich bei der Tschernobyl-Initiative und bei ihrem Vorsitzenden Herrn Paul Koch dafür ganz herzlich bedanken.

Es wäre alles. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Wenn Sie Fragen haben, bin ich bereit sie zu beantworten.

Vjatscheslav Pleskatsch
Mitarbeiter der weißrussischen Blindengesellschaft, Minsk

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Letzte Aktualisierung am 2007-10-04, Anja Stadelmann. Kontaktadressen