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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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Tätigkeitsbericht 1998

Bericht des Vorsitzenden

Auszug aus der 5. Jahreshauptversammlung, 1999

Von nunmehr insgesamt 140 Mitgliedern sind 94 aus dem Bereich der Propstei Schöppenstedt, 38 aus dem Bereich der Landeskirche, 8 von außerhalb des landeskirchlichen Bereiches. Darin enthalten sind vier sogenannte juristische Personen: Propsteijugend Schöppenstedt, Frauenhilfe Dahlum, Schülervertretung der Realschule Schöppenstedt und Frauenhilfe Roklum.

Der dritte Vorstand besteht aus: Vorsitzender: Paul Koch; Geschäftsführerin: Irene Koch; Kassenführer: Uwe Löhr; Beisitzer: Christiane Seekamp, Marita Meyer, Anja Neuhaus. Vom Propsteivorstand wurde Wolfhard Aßmann benannt.

Das Jahr 1998 brachte dem Verein gleich mehrere große Aktionen, nämlich:

  • Im April fand die Begegnungsfahrt "Weißrußland" anläßlich des 10-jährigen Jubiläums des Kulturzentrums der weißrussischen Blindengesellschaft und des ebenfalls 10jährigen Jubiläums des Chor Cantus, der Teil der Kulturarbeit der Blindengesellschaft ist, statt
  • Im Juni hatten wir 34 weißrussische Kinder und 5 Erwachsene als Betreuer zur Erholung von der Strahlenbelastung in ihrer Heimat hier bei uns im Falkenheim und in Familien.
  • Nach langer Vorbereitungsphase ist dank der intensiven Beschäftigung von Vorstandsmitglied Kai Boever und seinem Team die Tschernobyl-Initiative seit Oktober im Internet. Alfred Reimann hat uns einen Sonderplatz auf der Hompage der Landeskirche zugedacht und arbeitet die jeweiligen Veränderungsvorlagen zeitnah ein.
  • Humanitäre Hilfe wurde in großem Stil (2 Bahnwaggons) durchgeführt. In diesem Zusammenhang hatten wir mehrere Sortier - und Packaktionen und vor allem den Ausbau der Kleiderkammer. Es ist gut, daß wir nun die Möglichkeit haben, die Sachspenden sachgerecht zu lagern und das wir für Medikamente einen abschließbaren Raum haben.
  • Im September startete eine Experten- oder Erkundungsfahrt in bestrahlte und unbestrahlte Gebiete der Ukraine und Weißrußlands. Angeregt durch Dr. Horst Wohlfarth, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen über die tatsächliche Situation 12 Jahre nach dem Kraftwerksunfall, bildete sich zunächst eine Gruppe von drei Personen, die mit der Zeit auf 11 Personen anwuchs.
Das Ergebnis:
Unsere bisherige Arbeit erfuhr eine eindringliche Bestätigung. Ich hatte den Eindruck, daß das tatsächliche Ausmaß der Tschernobyl-Katastrophe jetzt erst langsam in all seinen Schattierungen bekannt wird. Vieles hatte ich früher schon einmal gehört, manches davon wurde kurz danach wieder dementiert. Bei Gesprächen mit den Menschen, die aus den bestrahlten Gebieten Weißrußlands (mit 5 J ahre Verspätung) nach Minsk umgesiedelt wurden, wurden diese früheren Informationen in vielen Teilaspekten dramatisch bestätigt. Einen Einblick in die psychischen und sozialen Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe gibt das Buch "Tschernobyl-Chronik der Zukunft" von Swetlana Alexewitsch und auch das Buch "Die Spur der schwarzen Wolke", das Wasil Jakowenko herausgegeben hat. Das eine Buch beschreibt die Situation von Erwachsenen, das andere sind Kinderberichte.
Die psychosoziale Komponente, die in beiden Büchern gut ausgedrückt ist, ist ein Aspekt, um den sich die neugegründete weißrussische Assoziation "Vertrauen" (Minsk) viele Gedanken macht. Sie kümmert sich um betroffene Kinder und Erwachse sowie um deren Angehörige.

Viele Probleme hat die Tschernobyl-Katastrophe ausgelöst. Besonders hart trifft es die Umsiedler. Wir hatten Gelegenheit, ein Gespräch mit einer kleinen Abordnung der insgesamt 5.000 Mitglieder zählenden Umsiedler-Selbsthilfegruppe / Minsk zu führen. Hier erhielten wir einen Einblick in ihre derzeitige Situation. Ihr Hab und Gut mußten sie bei ihrer verspäteten Evakuierung zurück lassen, können in Minsk, der 2 Millionenstadt mit ihrer landwirtschaftlich geprägten Lebenserfahrung nichts anfangen und leben von einer Rente in Höhe von umgerechnet 20,- DM pro Monat. Außer der Selbsthilfeorganisation um Raisa Malikowa kümmerte sich bislang niemand um diese Menschen. Dieses Gespräch war eines der vielen Schlüsselerlebnisse bei der Erkundungsfahrt. Insgesamt muß man sagen: Die Hilfe ist notwendiger denn je. Die Hilfe für die Tschernobyl-Opfer müßte in einem größeren Stil organisiert werden als wir das auf Vereinsebene leisten können. Es müßten Paten - und Partnerschaften eingerichtete werden wie damals zwischen der DDR und der BRD. Wenn auch gerade Deutschland zu den Ländern zählt, das Weißrußland am stärksten unterstützte und bei der Kindererholung auch immer noch unterstützt, so stellen doch viele Vereine und Institutionen die humanitären Hilfstransporte ein, weil von staatlicher Seite Weißrußlands aus enorm arbeitsaufwendige Reglementierungen eingeführt wurden. Um so dankbarer sind unsere Partner, daß wir an den humanitären Hilfstransporten festhalten.

Neben einem ersten großen Hilfstransport im März konnte im Oktober nochmals ein Bahnwaggon mit Hilfsgütern nach Minsk geschickt werden. Auf Grund der verstärkten Sammlung und Werbung, durch Spenden der September-Reisegruppe, durch einen Zuschuß des Diakonischen Werks und einer großen Medikamentenspende von unterschiedlichen Pharmaherstellern und den ebenfalls sich noch steigernden Sammlungen der humanitären Hilfe durch Vereinsmitglieder und Freunde, war der Oktober-Transport der bisher größte Transport unseres Vereins. Bei diesem Transport konnten wir die bisher größte Medikamentenspende in einem Wert von ca. 70.000,- DM nach Weißrußland weiterleiten.

Zusammenfassend kann ich für 1998 sagen: Viel humanitäre Hilfe konnte gesammelt, sortiert, verpackt und den Bedürftigen in Weißrußland geschickt werden. Viele Medikamente und medizinische Geräte und zweckgebundene Geldspenden wurden gesammelt und übergeben. Viele haben gespendet, ihre Arbeitskraft zur Verfügung gestellt oder Gäste aufgenommen. Allen sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.

Wir sind froh, daß immer mehr Mitglieder (und Nichtmitglieder) zur Eigeninitiative greifen, um Mitglieder zu werben und um Geld- und Sachspenden zu bitten. Darüber sind wir im Vorstand froh, weil die Hilfe für die Tschernobyl-Opfer notwendiger ist denn je.

Verein

Vereinsstruktur Tätigkeiten Spenden und Hilfe

Letzte Aktualisierung am 2006-11-10, Anja Stadelmann. Kontaktadressen