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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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Tätigkeitsbericht 2006

Das Jahr 2006 war für unsere Vereinsarbeit natürlich geprägt vom 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe. Alle Tschernobyl - Initiativen und Atomkraftgegner - Gruppen planten, teilweise in Kooperation oder im Netzwerk für das Jahr 2006 kleinere oder größere Aktionen. Ende 2005 schrieb die Arbeitgemeinschaft Schacht Konrad u.a. auch uns an, ob wir an einem Regionalen Netzwerk Tschernobyl 20 beteiligen würden. Dieser Anfrage haben wir natürlich entsprochen.

Die Ausstellung von Anatol Kljashchuk, die Benefiz-Veranstaltungen mit dem Chor Buslik, Vorträge von und mit Dr. Mikhail Malko sowie einige andere Aktionen, waren mehr oder weniger als Netzwerk-Veranstaltungen organisiert.

Natürlich sollte der Jahrestag nicht vorbeigehen, ohne wieder einmal auf die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe hingewiesen zu haben. Dies war wichtig, nicht nur um auf die jeweils eigene Arbeit hinzuweisen sondern vor allem um die mahnende Stimme gegen die aufkommende Euphorie der Atomenergie entgegen zu wirken.

Die Euphorie der Atombefürworter ging soweit, das unser ehemaliger Verteidigungs-minister Scholz laut darüber nachdachte und im Ernst meinte, es ist Zeit, dass sich die Bundeswehr mit Atomwaffen aufrüstet. Darüber wurde Gott sei dank nur kurz diskutiert.

Euphorie gab es aber im Zusammenhang mit dem 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe auch bei uns, den Tschernobyl-Initiativen. Einerseits zu recht, denn es wurden wieder viele von unseren Dokumentationen und Bücher angefragt. Schüler fragten bundesweit per Email nach Material über die Tschernobyl-Katastrophe um entsprechende Referate zu erarbeiten. Andere Initiativen fragten nach Material für ihre Aktivitäten. Die Ausstellung von Dr. Wegner war in der Lessing-Realschule zu sehen. Die Euphorie fand nicht ihre Entsprechung an der Stelle, wo wir den 10. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe als Maß der Dinge annahmen. Damals, 1996, wurde z.B. in Braunschweig von unterschiedlichen Organisationen zu einem Sternenmarsch in die City aufgerufen. 10.000 Menschen (meist Schüler) folgten diesem Ruf. Damals hatte Dr. Malko seinen ersten großen Auftritt bei uns. 10 Jahre später, also 2006, war das alles viel schwieriger, denn die Jugendlichen, die beim 10. Jahrestag mitmachten, konnten sich vielleicht noch an die Zeit nach bekannt werden der Katastrophe erinnern. Sie waren damals 4, 6 oder 8 Jahre alt und zum Zeitpunkt des 10. Jahrestages waren sie dann eben 14, 16 oder 18 Jahre alt. Selbst die heute 18jährigen haben die damaligen Aufgeregtheiten im Zusammenhang mit der Tschernobyl - Katastrophe nicht miterlebt. Diese Tatsache wird in Zukunft unsere Arbeit noch schwerer machen denn die Menschen, die noch eine eigene Vorstellung haben von der Zeit im April 1986 und danach, werden immer weniger. Umso mehr aber die Erinnerung verblasst, und damit eigene Erfahrung mit der Angst und Verunsicherung aus dem Gedächtnis verschwindet, umso leichter haben es die, die meinen, Atomkraft ist das Allheilmittel gegen den Klimawandel.

Auch die Menschen werden es in Zukunft leichter haben die die Behauptung in die Welt setzen wollen, dass die Atomindustrie pro Jahr einen Unfall wie in Tschernobyl verkraften könnte, denn es war ja nicht so schlimm: 50 Tote, ein paar tausend krebserkrankte Kinder, die zu 99 Prozent heilbar seien.

Wir wissen: Solche Äußerungen sind ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, aber auch der Wissenschaftler deren wissenschaftliche Arbeiten von der Atombehörde nicht anerkannt werden. Letztendlich ist eine solche Äußerung auch ein Schlag ins Gesicht der vielen Tschernobyl-Organisationen und freiwilligen Helferinnen und Helfer, die sich um die Tschernobyl-Opfer kümmern.

Wenn ich die Atombefürworter reden höre, denke ich: „In welcher Welt leben die eigentlich“? Ist ihre Welt dieselbe Welt, in der ich lebe? Ich habe manchmal das Gefühl, ich jage einem Phantom nach, denn die Arbeit die ich – die wir hier alle tun – ist nach deren Meinung nicht nötig, da es das Tschernobyl-Problem in diesem Sinne nicht gibt. Wir Tschernobyl-Initiativen arbeiten im Windschatten der Atomlobby und leisten eine Hilfe, die nach offizieller Meinung gar nicht nötig ist, weil ja eigentlich nichts passiert ist.

Aber, wir wissen es besser, weil wir uns vor Ort informieren. Weil wir Anfragen über Anfragen aus Belarus und der Ukraine erhalten, wo Menschen für ihre unmittelbaren Angehörigen um Hilfe bitten, oder unterschiedlichste Zusammenschlüsse, Veteranen – und Liquidatoren-Vereinigungen für ihre jeweiligen Interessensgruppen um Hilfe bitten.

Wenn ich alleine an die Aufgeregtheit von 1986 denke bin ich sicher: Es kann nicht sein, dass da nichts war!

Zurück zu heute, zurück zu 2006.

Wir hatten neben den speziellen Veranstaltungen zum 20. Jahrestag eine Ausstellung, wo wir bewusst das Problem Tschernobyl etwas in den Hintergrund und dafür die Menschen und die Kultur in den Mittelpunkt brachten. Mit der Ausstellung

Einblicke in Brauchtum, Kultur und Besonderheiten Weißrusslands“ (Belarus) im Schöppenstedter Rathaus begannen wir im letzten Jahr unsere Veranstaltungsreihe.

Die Kultur und der aktuelle Musiktrend von Belarus wurde durch die kleinen Störche, dem Chor „Buslick“ dargeboten. Im Sommer hatten wir für 4 Wochen 34 Kinder aus Belarus In der Freizeit- und Bildungsstätte Asse und am Wochenende in Familien. Neben den positiven Aktionen auch der Hinweis der anderen Medaillenseite: Die Veranstaltungen zum 20. Jahrestag waren teilweise teurer als geplant und die eine oder andere Zusage der finanziellen Unterstützung wurde nicht eingelöst – so hatten wir nach Abschluss der Erholungsmaßnahme große Probleme die Rechnung vom Falkenheim zu begleichen – dank an Herrn Kürschner, der uns einen Teil der Rechnung erst einmal gestundet hat.

Der nächste finanzielle Schock waren die Hilfstransporte. Nachdem sich die Transportkosten von ursprünglich 1800 € schon seit einiger Zeit auf 2200 € eingependelt hatten, waren es bei 4. und letzten Transport in 2006: 2950 €. Das stellt uns auch in der Frage der hum. Hilfe vor neuen Herausforderungen und Überlegungen.

Ein letzter Punkt im Rückblick. Ein Punkt, der leicht vergessen wird, weil er ganz im Stillen funktioniert. Es geht um unseren Internetauftritt. Der die Seite http://Tschernobyl-Initiative.welcomes-you.com anklickt / aufruft, kann sich davon überzeugen, wie umfangreich und aktuell hier die Tschernobyl-Initiative, ihre Aktionen und Veranstaltungen dargestellt werden. Einige Seiten sind gar in mehreren Sprachen zu lesen. Diese Arbeit wurde in der Vergangenheit im Wesentlichen von Kai Boever und Anja Stadelmann (ehrenamtlich, wie alles bei uns im Verein) geleistet. Aus unterschiedlichen Gründen hat nun Kai Boever diese Arbeit niedergelegt. Damit spreche ich Herrn Kai Boever im Namen des Vorstandes meinen / unseren herzlichen Dank für die unzähligen Stunden und aktive Vereinsarbeit aus. Mein Dank geht natürlich auch an Anja Stadelmann, die nun alleine die Arbeit fortführt – etwas eingeschränkt natürlich. Unser Vorstandmitglied Folco Heinke unterstützt Anja Stadelmann bei dieser Arbeit – auch hierfür (Folco) herzlichen Dank.

Der Rückblick auf 2006 ist damit vielleicht nicht ganz vollständig – Stichpunktartig soll nur genannt werden die Vorstandsarbeit, die Sachspendenannahme etc und Helferfete etc.) das Wesentliche, denke ich, ist dennoch gesagt.

Verein

Vereinsstruktur Tätigkeiten Spenden und Hilfe

Letzte Aktualisierung am 2007-03-23, Anja Stadelmann. Kontaktadressen